Welcome to 2013

Liebe Freunde,

kaum zu glauben, dass es schon laenger als einen Monat her ist, seitdem ich euch das letzte mal geschrieben habe. Hier nun also ein kleines Statusupdate.
Meine kleine Geschichte beginnt im letzten Jahr zu Weihnachten. Das Fest der Familie war diesmal ein Fest der Freunde. In Downtown haben wir alle beisammen gefeiert – 10 Leute waren wir zum Mittagessen und danach sind gegen Abend noch deutlich mehr Leute gekommen. Das Festessen war wirklich koestlich! Drei verschiedene Sachen standen auf dem Speiseplan. Typisch amerikanisch durfte natuerlich der Truthahn nicht fehlen. Ausserdem gab es Schinken und Lamm zur Auswahl. Und dazu natuerlich alle moeglichen Sorten an Gemuese. Ihr seht also, waehrend der Weihnachtszeit duerfte ich das ein oder andere Kilo zugelegt haben (zumindest theoretisch). Neben all den feinen Speisen gab es natuerlich auch einige feine Getraenke. Neben Rum, Whiskey, Bier und Wein gab es – mir zu Dank – auch Gluehwein.
Den Gluehwein haette es zu Weihnachten eigentlich nicht gebraucht, denn es war damals noch angenehm warm (ueber 0 Grad) und von Schnee keine Spur. Den haben wir dann erst zwischen Weihnachten und Silvester bekommen. Aber bei weitem nicht in dem Ausmass, wie in Ilmenau. Dafuer ist es derzeit ordentich kalt, die letzten paar Tage waren es immer unter -15 Grad.
Nach ein paar Tagen Arbeiten zwischen Weihnachten und Silvester ging es dann Last Minute nach Washington DC ueber Silvester. Das erste Mal in den USA! Leider bin ich in den vier Tagen nicht vom Tellerwaescher zum Millionaer geworden, aber gefallen hat es mir trotzdem gut. Angefangen hat der Ausflug mit einer langen Busreise, denn die Fluege vor Silvester waren alle ausgebucht bzw. vom Preis her utopisch. Nach gut einem halben Tag im Bus stand ich dann auf dem Boden der Hauptstadt. Und die ist so verschieden von Toronto! Keine Hochhaueser, dafuer alles schoen geplant und gross. Breite Strassen, viele Parks und Museen ueber Museen. Als Ingenieur ist mir natuerlich das Luft- und Raumfahrtmuseum besonders ans Herz gewachsen. Von den Luftfahrtpionieren bis hin zur Boing 747 und den Apollo-Missionen konnte man alles betrachten.
Beeindruckend waren auch all die Denkmaeler, allen voran das Lincoln-Memorial und Washington-Memorial. Und dort ist alles bequem zu erlaufen, da es alles dicht an dicht gebaut ist. Ansonsten ist die Stadt wohl nicht besonders aussagekraeftigt fuer die restlichen Staaten. Da werdet ihr dann mehr am Ende meines Praktikums erfahren, wenn es fuer mich ein paar Tage nach New York geht. Obwohl sich die New Yorker wohl auch als eigene Spezies beschreiben, wie ich letztens erfahren habe.
Die eigentliche Neujahrsnacht haben wir gar nicht in Washington verbracht, sondern in Old Alexandria ein paar Kilometer suedwestlich. Im Internet steht, dass es auf Grund der Sicherheitsvorkehrungen keine grossen Feuerwerke in Washington geben darf. Also ging es zuerst in ein Irish Pub und dort ein paar Guiness/Strongbow trinken, bevor wir dann das Feuerwerk mit einem Glas Sekt ueber dem Fluss angeschaut haben.
Viel zu schnell gingen die paar Tage vorbei und es ging wieder zurueck nach Toronto. Hier macht mir meine Arbeit immer noch viel Spass und mein Chef scheint auch sehr zufrieden. Letztes Wochenende habe ich ihm meinen vorlauefigen Praktikumsbericht geschickt und nachdem er ihn ueberflogen hat, gab es ein grosses Lob :-). Nun will er mich gern fuer das Masterstudium hier behalten. Dabei habe ich mich nun endlich letztes Wochenende in Edinburgh beworben. Drueckt mir die Daumen, dass das klappt! Letzten Freitag hatte ich meinen TOEFL-Englischtest, da warte ich im Moment auf das Ergebnis. Ein Saftaden ist das! An alle, die diesen Test noch machen muessen: speichert / macht ein Screenshort von allen Daten und der Score Recipients. Bei mir sind nach dem Test auf einem mal die falschen Unis aufgetaucht und nun muss ich mich mit denen rumaergern, dass die Ergebnisse an die richtigen Unis geschickt werden.
Zurueck zur Arbeit: Wenn alles klappt und ich gruenes Licht aus Ilmenau bekomme, werde ich meine Bachelorarbeit in den verbleibenden Monaten hier schreiben. Das waere sehr bequem, denn dann waere ich bis auf ein paar Praesentationen fertig mit dem Bachelor wenn ich Ende Mai zurueck nach Deutschland komme. Dann waere etwas Zeit zum Entspannen und Reisen!
Ja, sonst ist hier der Alltag eingekehrt, aber da habe ich nichts dagegen. Dienstag und Donnerstag Karate, am Wochenende dann immer was anderes mit meinen Freunden. Dieses Wochenende ist australischer Nationalfeiertag, dementsprechend wird hier ordentlich gefeiert. Gleich werde ich in einen dieser „Alkohol-Laeden“ gehen und Sekt fuer ein Sektfruehstueck kaufen (natuerlich Rotkaeppchen!). Dann gehen wir morgen in eine Bar und werden dort Mittagessen und ein paar Bierchen trinken. Und australische Plaetzchen werden wir noch heute backen – ihr seht, ich bin gut beschaeftigt. Deshalb hat es auch etwas laenger mit diesem Blog-Eintrag gedauert.
Dafuer bin ich eigentlich immer recht fleissig, euch bei Facebook zu schreiben. Es freut mich immer, von euch zu hoeren! Und noch mehr habe ich mich ueber die ganzen Postkarten gefreut. Einige von euch duerften zu bzw. kurz nach Weihnachten auch eine bekommen haben.
Nun ein kleiner Zeitsprung, denn vorm Wochenende hatte ich es doch nicht mehr geschafft, den Eintrag fertig zu schreiben. Der Straya-Day (kurz fuer Australia-Day) war fabelhaft. Die Bar war voller Australier und alle waren bestens gelaunt. Von drei Uhr nachmittags (ja, die Australier fackeln nicht lang mit trinken) bis um Mitternacht haben wir dort verbracht. Und es war eine coole Location – im Sommer Terasse, jetzt im Winter mit Glas ueberdacht und beheizt.
Sonntag war ich dann in einem alten Cafe und habe mir dort einen leckeren Milchshake und Pfirsichtorte gegoennt. Unbedingt empfehlenswert (Lake View @ Dundas and Ossington).
Nun war ich heute wieder arbeiten und habe gleich zwei super Nachrichten mit nach Haus gebracht. Erstens habe ich meinen englischen Notenspiegel fuer meine Masterbewerbung bekommen (und das rasend schnell, ich muss meine Meinung ueber das Pruefungsamt wohl nochmal ueberdenken). Und zweitens das Ergebnis vom Englischtest: Mehr als genug Punkte fuer Edinburgh, yippie!
So, nach viel Text werdet ihr euch bestimmt fragen, wo die Bilder geblieben sind. Ich verspreche euch, die reiche ich nach. In Toronto bin ich recht faul, wenn es ums Fotografieren geht, aber in Washington war ich fleissig.

Also dann bis bald!
Euer Tobi

Liebe Weihnachtsgruesse

Hallo liebe Freunde in der Heimat,

lange habe ich hier nichts mehr geschrieben. Nun wird es Zeit – und zuallererst wuensche ich euch allen eine schoene Weihnachtszeit!
Bei uns ist die grosse Feierei ja erst am ersten Weihnachtsfeiertag, also morgen. Heute haben wir schon ein paar Vorbereitungen getroffen. Am wichtigsten natuerlich Essen & Trinken: Nochmals Plaetzchen (diesmal mit Nutella innendrin – lecker lecker), Eierlikoer und Gluehwein. Morgen gibt es dann die Festspeise: Lamm, Schinken und Truthahn mit allerlei Veggies wird es geben. Ich bin schon gespannt, was meine lieben Australier so zaubern werden.
Ein eigenes kleines Weihnachtsgeschenk habe ich mir bereits Freitag gemacht. Durch Zufall sind wir an einem kleinen Sportladen vorbeigekommen. Und da sind mir Laufschuhe fuer wahnsinnig guenstige 50$ ins Auge gefallen. Modelle vom Vorjahr und nur noch in grossen Groessen vorhanden – perfekt fuer mich. Gestern haben wir dann gleich einen 8km Testlauf entlang des Lake Ontario gemacht. Es war richtig gut, mal wieder laufen zu gehen. Und noch viel besser an einem so schoenen Ort wie dem Lake.
Ansonsten waren wir nochmals zum Ice-Hockey und danach zum Billard spielen. Die Marlies haben mal wieder gewonnen – es scheint so, als scheinen Toronto’s Teams unbesiegbar (zumindest, wenn ich zuschaue). Und gestern waren wir bei einer tollen Comedy-Improvisationsshow. Unglaublich lustige Sachen haben sie da gezeigt. Leider habe ich nicht alles verstanden, was aber auch daran liegt, dass Witze ueber Politik und co. gemacht wurden und ich davon einfach zu wenig Plan habe. Aber nichtsdestotrotz war es echt lustig anzusehen.
Letztes Wochenende hatte es mich richtig uebel mit einer Grippe erwischt. So krank war ich schon lang nicht mehr. Vom Schuettelfrost ueber Fieber war alles dabei. Aber gluecklicherweise war ab Mittwoch wieder alles gut. Und es hat gut getan, mal ein paar Tage nicht auf Arbeit zu gehen. Umso produktiver waren dann Donnerstag und Freitag, ich habe naemlich angefangen, meinen Bericht ueber das Praktikum zu schreiben. Ein Drittel ist schon fertig, den Rest werde ich dann im neuen Jahr schreiben. Mittlerweile habe ich mehr als genug Sachen zusammen, die ich in den Bericht packen kann. Darueber bin ich ganz froh :). Mal schauen, eventuell kann ich ja meine Bachelorarbeit hier anfangen, dann habe ich weniger Stress zurueck in Ilmenau.
Vorletzte Woche war ich dann auch mal zum Schlittschuhlaufen. Die Ausleihe kostet hier 8$ – also nicht empfehlenswert fuer jeden Tag. Gluecklicherweise ist das eigentliche Laufen dann kostenlos. Ebenfalls vorletzte Woche habe ich unseren Weihnachtsbaum geschmueckt. Ein Bild davon ist auf Facebook zu finden. Und ich habe natuerlich meinen Geburtstag gefeiert. Knapp 15 Leute waren insgesamt da, was mich echt gefreut hat. Wir waren in einer Bar und haben ein paar Bier getrunken.
Ihr seht also, ich habe mich richtig gut eingelebt. Morgen bin ich sicher werde ich einen tollen ersten Weihnachtsfeiertag haben. Und mal schauen, was ich dann zu Silvester machen werde. Urspruenglich hatte ich mal geplant, ein paar Tage nach Washington zu fliegen, aber das scheint doch zu teuer zu sein. Vielleicht haben sie ja doch noch ein Last-Last-Minute Angebot :). Die Zeit hier vergeht wie im Flug. Die Arbeitstage vergehen so schnell und die Wochenenden noch viel schneller.
Ja, und ich bin schon fleissig am Planen fuer den naechsten Auslandsaufenthalt. Ich plane meinen Master in den UK zu machen und bin schon relativ weit in meinen Vorbereitungen. Meine Empfehlungsschreiben sollten in den naechsten 1-2 Wochen eintreffen, mein TOEFL-Englischtest ist Mitte Januar (drueckt mir die Daumen) und mit den ganzen Formularen bin ich auch schon relativ weit. Nun fehlt nur noch ein Motivationsschreiben und dann heisst es hoffen, dass mich eine der UK-Unis haben will (Edinburgh, St. Andrews oder Southampton). Dann koennt ihr euch also weiterhin auf ein paar Beitraege hier freuen ;).

Nun gut, das war es von mir mal wieder. Vielen Dank fuer all die Postkarten, die ich in den letzten Wochen noch bekommen habe. Schaut mal in euer Postfach die naechsten Wochen, ich habe einige Karten nach Deutschland verschickt.

Bis bald – Tobi

Die Zeit rennt

Ja, tatsaechlich. In Kanada scheinen die Uhren schneller zu ticken. Schon wieder sind viele Tage vergangen, genau vor sieben Wochen hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Verrueckt, wenn ich mich daran zurueck erinnere. Alles neu und ungewohnt – mittlerweile ist es schon fast selbstverstaendlich fuer mich, in Toronto zu leben. Wenn ich jetzt gerade so dran denke, koennte ich mir auch gut vorstellen, laenger hier zu bleiben als die knapp 8 Monate. Ein Viertel ist schliesslich schon vorbei und es gibt noch so viel zu sehen und so viel zu tun.
Letztes Wochenende habe ich eine ganz wichtige Sache auf der Todo-Liste abgehakt, die man wohl gemacht haben muss, wenn man Kanada besucht. Zusammen mit einigen weiteren internationalen Studenten war ich beim (Ice-)Hockey-Spiel. Das war schon ziemlich cool, muss ich sagen! Die Spieler hier scheinen mir um einiges mehr “Einsatz” zu zeigen, als beispielsweise beim Fussball. Alles ist etwas schneller, weil hier staendig ausgewechselt werden kann. Und, das liegt wohl in der Natur der Sache, alles auch etwas rauer. Hier ist ein Schlagabtausch (ja, mit Fauesten und so) keine Seltenheit sondern eher die Regel. Allein in den zwei Stunden gab es 6-7 teils heftige Raufereien. Aber das wichtigste: Die Toronto Marlies haben haushoch gewonnen. 7:1 stand es am Ende gegen Hamilton.
Da wir zuerst keine wirklich guten Plaetze hatten, haben wir uns nach der ersten Pause einfach bessere Plaetze gesucht. Und sassen direkt neben zwei eingefleischten Fans, die die gegnerische Mannschaft dauerhaft lauthals nieder gemacht haben. Zum Glueck kenne ich noch nicht alle Schimpfwoerter, die die englische Sprache zu bieten hat :P. Aber ich bin mir sicher, die beiden kennen alle.
Nach dem tollen Spiel fuhren wir dann zur City Hall, um dort zur Cavalcade of Lights zu gehen. Das ist ein grosses Spektakel, um die Weihnachtszeit einzulaueten. Ich habe ja gedacht, wir in Deutschland sind schon zu frueh dran, was Weihnachten betrifft. Aber hier setzen sie einfach noch einen drauf – mehr als einen Monat vor Weihnachten wird schon die Weihnachtszeit eingelauetet. Jedenfalls gab es (zugegebenermassen ziemlich schlechte) Live Acts und danach ein dafuer umso besseres Feuerwerk. Nach Weihnachten ist mir noch gar nicht zu Mute. Erstens ist es viel zu frueh, zweitens fehlt der Schnee und drittens die Plaetzchen.
Heute war ich das erste mal ein klein wenig homesick (auf gut Deutsch: Ich hatte Heimweh; aber das hoert sich schrecklich an, oder?). Zweierlei Gruende: Erstens bekomme ich von Martin eine E-Mail mit einem Raetsel, wer gerade zwei Meter von ihm in der U-Bahn entfernt steht. Hint fuer alle Insider: Lange Beine und Spitzname faengt mit B an. Zweitens bekam ich meine ersten Postkarten, die nun mein Zimmer schmuecken. Marie und Christian, ich danke euch beiden! Das hat mich wirklich sehr gefreut. Ich hoffe, es werden nicht die einzigen bleiben. Und auch ich habe mir felsenfest vorgenommen, bald die ersten Karten zu verschicken. Seid gespannt. Hoffentlich zur Freude fuer euch ist auch endlich der Kartenleser angekommen. Die Bilder sind schon auf dem PC, ich werde sie morgen aussortieren und hochladen.
Zurueck zum letzten Wochenende. Aufgeheizt durch Ice hockey bin ich nach dem Lichtfestival mit den Aussies (Spitzname fuer Australier) in eine Bar gegangen, um dort UFC (Ultimate Fighting Championship) zu schauen. Da sind wohl alle Kanadier total verrueckt drauf. Kurzum eine Art Kampfsport mit nicht allzu vielen Regeln aber dafuer umso mehr Blut.
Am Sonntag gab es dann lecker Australian Roast Lamb! Hervorragend, sage ich euch.
Genauso hervorragend wie die Dinner Party am Mittwoch. Nach lecker selbstgemachter Pizza und einigen Bier sind wir in eine Bar getorkelt, um dort noch mehr Bier zu trinken. Ich muss sagen, dass das Bier hier zwar echt preisintensiv ist, die Auswahl dafuer aber riesig. Sowohl in Bars als auch im LCBO.
LCBO? Liquid Control Board of Ontario. Ich weiss nicht, ob ich es schon erwaehnt habe, aber hier kann man keinen Alkohol in Supermaerkten, Tankstellen oder sonstwo kaufen. Es gibt nur Beer Stores, Wine Rack und LCBO. In einem LCBO bekommt man dann alles moegliche an Alkohol. Letzte Woche war ich das erste mal in einem solchen Laden. Es ist verrueckt – wie ein Getraenkeladen aber eben nur Alkohol. Tatsaechlich hat es eine Wirkung: Man fuehlt sich ein bisschen wie ein Alkoholiker, wenn man den Laden betritt. Nachdem man ein ganzes Stueck gefahren ist, um zu dem Laden zu kommen. Aber dann fuehlt man sich im Alkohol-Paradies, es gibt einfach alles, was man sich vorstellen kann. Kanadisches Bier, US-Bier, belgisches Bier, niederlaendisches Bier, deutsches Bier, das gute Tiger aus Singapur und und und.
Den Donnerstag habe ich dann auch irgendwie ueberstanden – trotz Restalkohol im Blut. Nur Abends beim Training ging mir dann eher die Puste aus als gewohnt. Das Training hier ist wirklich gut – all die Schwarzgurte, einiges an Konditionstraining, viele Katas, Training mit Gewichten; nur das Sparring kommt zu kurz.
Achja, fast haette ich es vergessen, aber der obligatorische Teil darf natuerlich nicht fehlen. Meine Arbeit. Da geht es seit heute etwas drueber und drunter. Mein Chef hat eine E-Mail bekommen, dass er ueber den Fortschritt am Playbot, einem Hightech-Rollstuhl, berichten soll. Problem ist nur, dass seit Monaten, vielleicht Jahren niemand mehr daran gearbeitet hat und auch keiner Mehr im Lab ist, der das jemals gemacht hat. Nun sollen wir ihn schnellstmoeglich wieder zum Laufen bekommen, falls mal jemand vorbeischauen mag und sich den “Fortschritt” ansehen moechte. Wie immer bei solchen Sachen scheint es wohl um einen ganzen Batzen Geld zu gehen – ein kleiner Notfall also. Ich denke, damit werden wir die naechsten Wochen gut beschaeftigt sein. Ansonsten kenne ich mich im Sourcecode vom Searchbot, den bisherigen Roboter, mittlerweile relativ gut aus. Da ich fuer den neuen Roboter die Hinderniserkennung entwickeln soll, bin ich insbesondere den Teil durchgegangen und habe einiges vereinfacht, um mir eine Vorstellung zu geben, was dort eigentlich passiert.

So meine lieben Leser, das war eine weitere Episode in “Tobi’s life in Kanada”. Wie gesagt, bald lade ich die Bilder hoch – entweder hier oder bei Facebook. Nochmals vielen Dank an Marie und Christian :).

Toronto steht still

… oder besser gesagt, stand still. Fuer exakt eine Minute um 11 Uhr am elften Tage des elften Monats. Nein, nicht aufgrund Karneval / Fasching. Heute wird in den Commonwealth-Staaten der Remembrance-Day begangen. Das ist eine Art Volkstrauertag – und der wird hier um einiges ernster genommen als bei uns. Es wird den gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges gedacht. Zum Ausdruck bringen das hier sehr viele Leute durch das Tragen einer Poppy Flower. Und puenktlich elf Uhr stand dann kurze Zeit alles still. Ich sass gerade im Bus und nach einer kurzen Durchsage standen wir eine Schweigeminute.
Poppy Flower

Nun zum restlichen Wochenende: Es war echt super. Gut angefangen hat es schon im Lab. Oder besser gesagt, kurz danach. Fuer mich stand mal wieder eine Vorlesung auf dem Plan, da wir einen bekannten Professor, Terry Sejnowski, zu Besuch hatten. Er hat ueber den Informationstransport im visuellen System gesprochen. Gruendsaetzlich sehr interessant, jedoch hat mir eindeutig das Hintergrundwissen gefehlt. Das war schon sehr biologisch. Und so kam es dann, dass wir alle vier Kollegen mal kurz weggenickt sind ;). Ja, gut angefangen hat es aufgrund des Buffets nach der Vorlesung. Allerlei Kleinigkeiten zu Essen und Freibier gab es, da habe ich mich natuerlich richtig wohl gefuehlt.

Am Samstag habe ich mich dann mit den australischen Maedels getroffen, um chinesisch Essen zu gehen. Dim Sum stand auf unserem Speiseplan. Obwohl ich ja zusammengenommen fast ein halbes Jahr in Singapur gelebt habe, war das wahrscheinlich eines der asiatischsten Mahlzeiten die ich je hatte.
Dim Sum
Ungefaehr so sah dann unser Tisch aus. War echt lecker! Nachdem wir ausgiebig gegessen hatten, haben wir dann eine Fahrradtour unternommen. Am Lake entlang sind wir einige Zeit Richtung Westen gefahren.


Dort hatte man eine echt tolle Aussicht auf Downtown und auch auf einige weitere Hochhaueser noch weiter im Westen. Und windig war es. Und Spass gemacht hat es. Auch auf viel befahrenen Strassen kann man hier relativ bequem mit dem Fahrrad fahren. Oftmals gibt es eine eigene Spur und falls nicht, sind die Autofahrer sehr ruecksichtsvoll.
Schliesslich haben wir den Tag dann mit einem Besuch in einer Bar abgeschlossen. Mal wieder coole Musik und eine weitere schoene Bar, die ich jetzt kenne.

Heute habe ich dann einen ausgiebigen Spaziergang durch den High Park gemacht. Das ist ein Stueck gruen in der Stadt. Ihr seht, dieses Wochenende war im Gegensatz zum Vorherigen ziemlich voll gepackt mit allerlei schoenen Dingen. Mir wird es also auf keinen Fall langweilig ;). Dazu beigetragen hat auch das echt schoene Wetter, heute waren es bis zu 15 Grad. Morgen soll es auch noch schoen bleiben und ab Dienstag dann 4 Grad als Vorhersage. Das wird ein schoener Temperaturschock werden ;).

Ja, habe ich eigentlich schon geschrieben, dass ich mich zum Karate angemeldet habe? Dienstag und Donnerstag (wie von zu Haus gewoehnt) werde ich jetzt immer Kurse besuchen. Dort fuehle ich mich sehr wohl, die anderen haben mich schon gut aufgenommen. Einen Anzug habe ich auch schon und mein gruener Gurt wurde auch ¨anerkannt¨. Mal schauen, mit was ich dann nach Hause komme ;).

Also dann bis bald!
Tobi

Summary: The first month in Toronto

Hallo meine Lieben,

ja, ihr habt richtig gelesen. Tatsaechlich lebe ich nun schon ein Monat in Toronto. Ist die Zeit in Deutschland auch so schnell vergangen, wie hier? Letzte Woche waren wir uns (zumindest zeitmaessig) eine Stunde ¨naeher¨, da hier erst heute auf die Winterzeit umgestellt wurde. Nun sind es wieder die ueblichen 6 Stunden Zeitverschiebung.

Lang habe ich mich nicht mehr hier gemeldet, dafuer haben aber ganz viele von euch bei Facebook eine Nachricht bekommen :). Also, lasst mich ueberlegen, was so alles passiert ist. Eines Abends war ich mal wieder in einem Pub, dem Black Bull. Dort war wieder eines dieser MeetUps und ich bin mal wieder mit einigen Handynummern mehr nach Haus gekommen. Ein Maedel hat mich dann direkt auf eine Geburtstagsparty eingeladen, aber dazu spaeter mehr. Dann stand auch schon (eine Woche vor dem eigentlichen Datum) die erste Halloween-Party auf dem Plan. Diese fand auf dem Campus statt. Wahnsinn sage ich euch, was die Kanadier hier fuer einen Aufriss treiben, um sich Kostueme zu machen. Der eine haette glatt in einem Film der Power Rangers mitspielen koennen. Die haben unglaublich viele Ideen und jeder zieht seine Sache durch. Ich hatte natuerlich auch ein Kostuem – eine Art schwarzes Gewand mit langen Skelett-Handschuhen und einer Maske. Die meisten Maedels sagten einfach nur: ¨Ohhh, you look soooo scary!¨. Danke nochmal an Mic fuer das freundliche Bereitstellen :). Bilder gibt es leider immer noch nicht. Aber ich habe einen Kartenleser bei Amazon bestellt.
Dieser muss jetzt nur noch den Weg aus den USA hierher finden. Also noch eins, zwei Wochen dann kann ich euch endlich mit Bildern dienen. Preis uebrigens: 2,50$ (inkl. Versand). Ich frage mich wirklich, was sich manche Computerlaeden so einfallen lassen mit ihren Preisen.

Letztes Wochenende war ich dann Freitags im Kino und Samstag haben wir bei mir einen Film geschaut. Sonntag war ich dann nochmal in Downtown unterwegs. Insgesamt waren die letzten beiden Wochenenden eher ruhig – aber wenn man innerhalb der Woche schon eine Party bis in die Nacht hat, will man dann zumindest ab und an auch mal ein wenig Ruhe haben ;).

Letzten Mittwoch war dann Halloween. In einer groesseren Gruppe sind wir zusammen nach Downtown gefahren, um dort zu Feiern. Gelandet sind wir in einem Mix aus Club und Bar. Wieder viele Leute, wieder tolle Kostueme. Diesmal aber richtig laut und feucht froehlich – zu Halloween durften es dann auch mal ein paar Tequila sein. Halb fuenf lag ich dann im Bett, um 4 Stunden spaeter aufzustehen und umzuziehen. Endlich war es so weit und ich habe meine neue Wohnung bezogen. Als ich frueh ankam, sah es jedoch noch aus wie im Schlachtfeld. Die Maedels, die zuvor hier gewohnt haben, haben ihre letzten Sachen abgeholt und die Vermieter haben alles nochmal geputzt. Als ich abends von der Arbeit kam, sah dann aber alles supi aus. Die Wohnung gefaellt mir soweit wirklich gut und ist super gelegen. Einziger Nachteil ist leider, dass es eine Kellerwohnung ist. Vom Tageslicht bekomme ich also nicht viel mit. Das ist jedoch nur am Wochenende wirklich tragisch, da ich ja sonst sowieso nur am Abend hier bin.
Am Freitag bin ich dann mit Adele losgezogen, um die wichtigsten Sachen fuer die Wohnung zu kaufen. Wir haben einen Grundstock an Nahrungsmitteln gekauft. Gluecklicherweise gibt es hier doch einige Supermaerkte, in denen es gar nicht so viel teurer ist, als in Deutschland.

Am Abend dann war ich, wie gesagt, zu einem Geburtstag eingeladen. Das war eine richtig lustige Truppe, die meisten davon Australier. Ich liebe deren Akzent! Schon an einem einfachen ¨No¨ kann man sie erkennen. Nachdem wir uns erst in einer Bar getroffen hatten, ist der harte Kern dann zusammen zu einem Maedel nach Haus gefahren. Wahnsinn, was sie fuer eine Wohnung hatte. Im 19. Stock gelegen mit toller Aussicht auf Downtown. Es war mal wieder atemberaubend, die Stadt so zu sehen, der CN-Tower, die ganzen Hochhaeuser, der grosse See. Da fehlen mir echt die Worte. Leider nicht ganz so guenstig, der Spass. Zu zweit zahlen sie 1600 Euro Miete + Nebenkosten. Dann halt doch Kellerwohnung in der Pampa :P.

So, nun fuer die meisten von euch der wohl langweilige Part, der mir mittlerweile aber richtig Spass macht. Meine Arbeit. Mit meinen Kollegen verstehe ich mich mittlerweile richtig gut. Bald wollen wir zusammen auf ein Hockey Match gehen. Das ist ja quasi der Nationalsport hier. Da die NHL (National Hockey League) diese Saison wohl nicht ausgetragen wird (die Spieler werden sich mit den Vereinen nicht einig, wer wieviel Geld bekommt) gehen wir in die niedrigere Liga, die AHL (American Hochey League). Jungs, stellt euch mal vor, die erste Bundesliga wird einfach eine Saison ausgesetzt. Schon verrueckt, die Jungs. Aber wieder zurueck zur Arbeit. Hier ein Auszug meiner Mail an Professor Gross, da ich zu faul bin, alles noch einmal zu schreiben.

Mittlerweile habe ich schon einiges an neuen Dingen gelernt. Nachdem ich in den ersten beiden Wochen vorrangig Paper gelesen habe, ging es danach an die praktischen Sachen. Derzeit arbeiten wir noch am alten Roboter, da am neuen Roboter noch vieles im Alphastadium ist. Man kann hoechstens 5 Minuten an ihm arbeiten, bevor die Verbindung zu den Motoren verloren geht (Grund bisher unbekannt, wir warten auf Antwort des liefernden Unternehmens). Weiterhin haben wir noch keine Halterung fuer unsere Stereokamera, so dass wir ihn noch nicht einsetzen koennen. Bisher habe ich nur eine kleine App fuer das montierte Tablet geschrieben, welche anhand der Beschleunigungssensoren bestimmt ob der Roboter in Ruhe ist oder sich noch (minimal) bewegt. Dies wird spaeter fuer die Aufnahme von Bildern wichtig sein – aus verwackelten Bildern koennen keine Tiefendaten bestimmt werden.

Weiterhin habe ich mich in den vorhandenen Quellcode des alten Roboters eingelesen. Leider ist dieser ueber die Jahre hinweg entstanden – immer neue Dinge wurden implementiert, immer ohne Ruecksicht auf die Lesbarkeit und Wartbarkeit. In einem 3-Mann-Team werden wir nun das ganze Restrukturieren bzw. in einigen Teilen auch neu schreiben. Bisher konnte ich durch Parallelisierung den Roboter wesentlich beschleunigen. Statt eineinhalb Minuten fuer einen Suchdurchlauf benoetigt er nun noch 50 Sekunden. Der Target-Detection-Algorithm verwendet Pyramidenbilder, diese werden nun parallel bearbeitet. Die Maske fuer die entsprechende Faltung ist leider nur in Ausnahmefaellen separierbar, sonst koennte man es noch wesentlich schneller machen.

Auch habe ich eine Moeglichkeit gefunden, die Tiefendaten aus den Stereobildern wesentlich akkurater zu machen. Im Moment wird die SDK der Kamera verwendet, die jedoch seit Jahren nicht mehr gewartet wird. OpenCV bietet eine Moeglichkeit, die Disparity Werte zu bestimmen. Nach ersten Tests wird damit die Pfadsuche wesentlich verbessert. Besser gesagt wird sie brauchbar gemacht, da zuvor eine Kollision mit Hindernissen eher die Regel statt die Ausnahme war (wobei sich diese Aussage auf unsere Sandbox bezieht – im Office-Bereich ist die bisherige Berechnung der Tiefendaten ausreichend). Dies ist auch meine derzeitige Aufgabe, ich versuche die Parameter des Algorithmus fuer unsere Zwecke zu optimieren.

So, damit seid ihr alle wieder auf einigermassen aktuellem Stand ;). Ganz viele Gruesse in die Heimat!
Euer Tobi

PS: Falls mich jemand mit einer Postkarte ueberraschen will – meine Adresse:
53 Danby Avenue
Toronto
M3H 2J4
Canada

So schnell verging die zweite Woche

Hey!

Wahnsinn, nun ist schon wieder eine Woche vorbei. Eine Woche voller Erlebnisse und neuer Bekanntschaften. Nun kann ich wohl wirklich behaupten, dass ich mich eingelebt habe. Gluecklicherweise, und darueber bin ich wirklich sehr froh, geht hier alles seinen Gang.

Nachdem ich euch letzte Woche vom ersten Clubbesuch geschrieben hatte, fuhr ich noch einmal zu meiner neuen Wohnung, um eine Art Kaution zu zahlen. Etwa eine halbe Stunde werde ich dann immer brauchen, um von dort an die York University zu kommen. Wie ich mir nun mehrmals habe bestaetigen lassen, ist die Wohnung gut gelegen und der Preis super. Nach Downtown braucht man dann ebenfalls etwa eine halbe Stunde – und, wichtig fuer die naechsten Clubbesuche, auch nachts kommt man relativ schnell (etwas ueber eine Stunde 😉 ) mit dem Bus nach Haus. Auch die Vermieter machten erneut einen guten Eindruck, so dass ich mich freue, am 01.11. dort einzuziehen.

Am Dienstag Abend habe ich dann einen echten Gluecksgriff gemacht. Durch Zufall habe ich von einem Buddy Programm gelesen. Dort bekommt jeder Austauschstudent einen Mentor zugewiesen. An besagtem Abend war dann ein Social Event – kurzum einfach ein Treffen, um sich ein bisschen kennenzulernen. Dabei habe ich dann Studenten aus aller Welt kennengelernt (natuerlich auch aus Deutschland). Eine ganz witzige Idee war es, Kuerbisse auszuhoelen und zu dekorieren. Nach dem eigentlichen Event sind wir dann noch in eine Bar gegangen, um noch ein Bier zu trinken.

Am Mittwoch ging es dann weiter mit einem Deutschen Stammtisch in einem Pub in Downtown. Zum Glueck waren aber sehr viele Nicht-Deutsche da, so dass ich kaum ein Wort Deutsch gesprochen habe. Ein Kanadier hat mich dann zum Ende des Abends noch zu seinem Geburtstag eingeladen – sehr nett, die Menschen hier, wenn man einmal ins Gespraech gekommen ist. Und diese Stammtische sind auch eine tolle Gelegenheit, um die verschiedensten Menschen kennenzulernen. Es gibt hier eine Webseite (meetup.com) an der Meetup-Gruppen zu den verschiedensten Sachen angeboten werden und jede Gruppe veranstaltet dann Treffen. Da werde ich in naechster Zeit noch ein bisschen suchen, wo ich noch hingehen koennte.

Da ich gehoert habe, dass in diesem besagten Pub (Madison Pub) am Wochenende immer Livemusik sein soll, bin ich mit ein paar Leuten am Freitag direkt noch einmal dort hingegangen. Und es war wirklich klasse – ein Typ hat mit seiner Gitarre super Stimmung gemacht. Fuer alle Muenchen-Freunde: Stellt euch den Pub einfach so vor, wie den Kilians (nur um ein Vielfaches groesser).

Am Samstag bin ich dann Nachmittags nach Downtown gefahren, um mir noch einmal die Stadt ein bisschen anzuschauen. Dabei bin ich zufaellig ueber eine Veranstaltung gestolpert namens Zombie Walk. Hunderte Leute haben sich wie Zombies angezogen und angemalt. Echt verrueckt! Bilder folgen. Nein, ich habe immer noch keinen Kartenleser, aber die Handybilder kann ich hochladen. Der guenstigste Kartenleser, den ich bisher gefunden habe, kostete 25 Euro. Das war mir dann doch etwas zu teuer. Ich werde mich die Tage mal bei eBay und Amazon umschauen.
Nach dem Zombiewalk bin ich in den St. Lawrence Market gegangen, ein grosser Essensmarkt mit allem, was man sich so vorstellen kann. Fleisch, Fisch, Kaese, Wein, Obst und Gemuese, an nichts fehlt es. Von National Geographic wurde er als weltbester Food Market ausgezeichet.
Danach hatte ich mich zum Abendessen verabredet und schliesslich sind wir wieder in einen Club (London Tap House) zum Feiern gegangen. Diesmal mit deutlich laengeren Roecken, nicht ganz so laut aber dennoch genauso gut! Und dank Beziehungen mit kostenlosem Eintritt :-)!

Naechstes Wochenende wird dann ganz im Zeichen Halloweens stehen. Halloween ist dieses mal innerhalb der Woche, deswegen wird die Feierei ein paar Tage nach vorn verschoben. Derzeit ueberlegen wir am Samstag in einen Freizeitpark zu fahren – mal schauen, ob das klappt.

In der Woche habe ich jetzt auch gut zu tun, denn ich habe meine erste Aufgabe bekommen. Unser derzeitiger Roboter macht zwar im Prinzip das, was er machen soll. Jedoch kann man in der Zeit getrost einen Kaffee trinken gehen, weil alles ziemlich lang dauert. Relativ schnell habe ich herausgefunden, woran das liegt und werde nun versuchen die entsprechenden Funktionen zu optimieren. Dank meiner hervorragenden Vorlesungen in Ilmenau (man muss die Werbetrommel ja etwas ruehren) weiss ich prinzipiell auch, wie ich das angehen muss. Aber wie es dann so in der Praxis immer ist: Genau so, wie gelernt, geht es dann eben doch nicht. Weiterhin ist am Dienstag dann der grosse Tag, an dem unser neuer Roboter (http://www.youtube.com/watch?v=cgqPdMPqzBI) ankommt. Da werde ich auch einiges mit helfen koennen. Schoen ist, dass ich mir meine Aufgaben selbst aussuchen kann. Fuer den neuen Roboter werden wir wohl das bestehende Softwarepaket komplett neu aufbauen und ich kann mir dann dabei einen Teilbereich aussuchen (Pfadplanung, Objekterkennung, Hindernisvermeidung etc.). Dabei faellt mir gerade ein, dass ich noch einmal schreiben sollte, dass die Arbeitsbedingungen hier echt super sind!

So, nun seid ihr wieder auf aktuellem Stand. Ein Dank an alle, die mir per Facebook / ICQ / Mail geschrieben haben. Ich freue mich immer, von euch zu hoeren :-)!

Euer Tobi

Die ersten Club-Erfahrungen

Halli Hallo,

gestern Abend war es soweit: Meine erste wirkliche Party in der Ferne. Daran moechte ich euch gleich teilhaben lassen.
Fangen wir von vorn an. Es gibt hier zwei Moeglichkeiten, in einen Club zu gehen. Zum einen ist es der Club ¨Guvernment¨, von dem ich, so glaube ich mich erinnern zu koennen, schon im letzten Post berichtet habe. Dieser soll wohl wahrlich riesig sein, ein ganzer Komplex von Clubs. Er liegt direkt am Lake Ontario. Dorthin hat es mich jedoch nicht verschlagen – zumindest nicht gestern Abend. Die zweite Moeglichkeit sind zwei sehr nah beieinander liegende Strassen in Downtown, die voller Clubs und Bars sind.

Zunaechst war ich also dort einen Happen essen um dann auf die Suche nach einem passenden Club zu gehen. Bei der Auswahl hat eine Komponente den ausschlaggebenden Grund gegeben: Der Regen. Es wurde relativ schnell kalt und nass, also wurde der erstbeste Club genommen. Eintritt fuer Damen, wie sollte es anders sein, kostenlos. Fuer mich 15$, was 12 Euro entspricht. Ueblicherweise ist wohl ein Eintritt von 20$, also habe ich noch einen ¨guenstigen¨ Club erwischt. Zunaechst wird man mit einem grossen Security-Check empfangen. Ich habe mich gefuehlt wie am Flughafen – ich wurde komplett einmal von oben bis unten abgetastet. Fuer die Garderobe habe ich noch einmal 3$ geloehnt.

Aber es hat sich gelohnt! Einmal im Club war aller Regen vergessen. Die DJs haben super Musik aufgelegt und vom ersten Moment an war gute Stimmung. Und alles ein wenig anders, als gewoehnt. Zunaechst einmal die Kleidung der Damen – obwohl ich nicht recht sicher bin, ob es Kleidung als Begriff noch trifft. Ein Hauch von nichts scheint passender zu sein. Miniroecke sind hier (man bedenke, dass es bei etwa 5 Grad geregnet hat) der Normalzustand. Und mit Mini meine ich wirklich Mini. Mini mini. Strumpfhosen darunter? Fehlanzeige! Rutscht mal etwas hoch? Egal! Sitzend ohne die Beine uebereinander zu schlagen? Klar, wie sonst. Nicht die passende Figur fuer einen Minirock? Wird trotzdem angezogen.
Dann die Lautstaerke. Ich habe ja gedacht, ich bin von der einen oder anderen Beat Definition laute Musik gewoehnt. Aber das war teilweise nicht mehr nur laut, sondern einfach nur unbeschreiblich. Der Bass – Wahnsinn.
Auch scheint hier der Tanzstil etwas anders zu sein. Aber nichtsdestotrotz, es war wirklich ein gelungener Abend. Der viel zu schnell vorbei ging bzw. zu frueh geendet hat. Laut Gesetz ist hier der letzte Alkoholausschank um 2 Uhr. Eine Stunde spaeter hat der Club dann schon geschlossen – wie alle anderen (ausser dem Guvernment, der soll wohl bis 6 Uhr auf haben) auch. Dann begann das naechste Abenteuer, die Busfahrt. Die letzte U-Bahn faehrt bereits halb zwei, also muss man mit dem Bus fahren. Und das war ein weiter Weg ;-). Gluecklicherweise habe ich dann beim Umsteigen (nach einer Stunde Fahrt) auf einen anderen Bus drei weitere Studenten der York University getroffen und wir haben uns dann fuer den restlichen Weg ein Taxi geteilt. Die drei waren auch echt nett und wir haben die Kontaktdaten ausgetauscht, um beim naechsten Mal zusammen Feiern zu gehen.

Sonstige verrueckte Sachen: Getreu dem Motto ¨Lasst die Sektkorken knallen¨ wird hier der Sekt einfach mal ueber die Tanzflaeche verteilt. Zudem habe ich mich aehnlich gefuehlt wie in Singapur – sehr viele Asiaten. Und alle, auch die nicht-Asiaten, sind wahrlich nicht gross. Ich habe eindeutig mit zu den groessten im Club gezaehlt. Das gilt natuerlich fuer die ganze Stadt genauso, aber gestern ist es mir extrem aufgefallen.

So, das waren so die wichtigsten Eindruecke des ersten Clubbesuchs. Bis bald!
Euer Tobi