Der erste Blick aufs neue Leben

Hallo an alle,

zunächst vorweg: Diesen Text habe ich schon am Donnerstag Abend verfasst, hatte jedoch bisher noch keinen Internetzugang um ihn abzusenden. Wundert euch deshalb nicht.

Ein kleines Lebenszeichen aus dem fernen Kanada an euch! Bisher hat alles geklappt – aber von vorn.

Nachdem mein Wecker heute morgen nach knappen drei Stunden Schlaf um 4 Uhr geklingelt hat, hat mich Benjamin noch bis nach Plaue begleitet. Ab da hat dann die Reise richtig gestartet. Wie sollte es anders sein, hatte der ICE von Würzburg nach Düsseldorf einige Minuten Verspätung. Diese haben mich jedoch, trotz eigentlich gedachter knapp bemessener Zeit am Flughafen, gar nicht beeindruckt. Denn nicht nur der Zug hatte Verspätung, sondern auch der Flieger nach Toronto. Eine Stunde später sollte es losgehen. Dies hat mir die Lufthansa per SMS mitgeteilt – super Service!

Einige kurze Zug-Bekanntschaften später kam ich am Düsseldorfer Flughafen an. In alter Routine gab ich dort meinen Rucksack ab und ging zum Gate. Die Lufthansa-Dame am Schalter war ganz überrascht, dass ich über die Änderung des Gates und der Flugzeit besser Bescheid wusste, als sie. Während des Wartens auf den Flieger habe ich schnell den letzten Beitrag hier abgesendet und nochmal die letzten Wochen revue passieren lassen.

Um 13:30 war es dann so weit, wir wurden in den Flieger gelassen. Neben mir saß Adele, eine nette Französin, etwas jünger als ich, die – wie sollte es anders sein – genauso lang in Toronto bleiben wird wie ich. Sie macht hier zunächst einen Sprachkurs und später dann auch ein Praktikum. Also kannte ich schon jemanden “aus Toronto” bevor ich überhaupt angekommen bin. Wir haben gleich die Kontaktdaten ausgetauscht und ich bin mir sicher, dass wir uns hier bald wieder treffen werden, sobald wir uns etwas eingelebt haben.

Der Flug an sich war wie immer – Start, trinken, schlafen, essen, schlafen, trinken, schlafen, essen, Landung. In Toronto angekommen haben Adele und ich dann noch in einem gesonderten Raum unsere Arbeitserlaubnis bekommen. Eine Sache, die mich daran etwas stört ist, dass diese wohl nicht zum Reentry berechtigt. D.h. ich könnte nicht mal eben in die USA und wieder zurück; das muss ich auf jeden Fall nochmal klären (da ich mir das nicht so recht vorstellen kann und auch der Immigration Officer das Gegenteil gesagt hat). Dann haben wir unser Gepäck geholt und sind zur Bushaltestelle gelaufen.

Dort angekommen sah ich, dass ich meinen Bus um 5 Minuten verpasst habe (danke Benjamin für das Heraussuchen!). Normalerweise hätte ich eine Stunde warten müssen, aber zum Glück hatte ich vorher noch eine Alternativverbindung herausgesucht. Und diese ist auch gleich abgefahren. 3 Dollar musste ich zahlen, Geld hatte ich jedoch noch nicht getauscht / abgehoben und die Kreditkarte wurde im Bus nicht akzeptiert. Freundlicherweise hat mich ein Kanadier dann auf die Busfahrt eingeladen. Scheinen echt nette Menschen hier zu sein. Dann fuhr ich einmal für eine Stunde quer durch die Stadt.
Nun zu Toronto. Ein Wort, dass die Stadt ganz gut beschreibt: RIESIG!!! Es ist alles groß hier. Richtig groß. Selbst Singapur erscheint mir im Moment klein gegen Toronto. Schon beim Überflug hat man erahnen können, wie groß hier alles ist. Ich musste zum Beispiel einmal mit dem Bus umsteigen und bin nach dem Umstieg eine halbe Stunde lang auf ein und derselben Straße gefahren, bevor ich irgendwann an Hausnummer 4700 aussteigen musste. Auch der Campus hier erscheint mir wahnsinnig groß. Es gibt hier so viele Mitarbeiter an der Universität wie in Ilmenau Studenten.
Glücklicherweise habe ich dann auch gleich mein Apartment gefunden. Die nächsten zwei Wochen lebe ich im echten Luxus! Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und eigenes Bad gehören gerade mir. Auf der Fläche haben wir in Singapur eine 4-er WG gehabt. Und das für wahnsinnig günstige 270€. Warum ich hier nicht wohnen bleibe? Weil die 270€ pro Woche und nicht pro Monat zu zahlen sind ..

Gegen 7 Uhr hatte ich mich dann so einigermaßen eingerichtet und habe mich auf die Suche nach etwas essbarem begeben. Gefunden habe ich eine große Essensmeile mit mehreren Ständen für alles, was das Herz begehrt. Heute habe ich es mal bei einer Pizza belassen.

Morgen früh werde ich dann gegen 9 Uhr arbeiten gehen. Ich bin schon sehr gespannt, was mich erwartet. Dies dann im nächsten Beitrag – so langsam fallen mir die Augen zu. In Deutschland wäre es gerade ja schon 4 Uhr in der Früh, ich bin quasi gerade genau 24 Stunden wach. Aber um mich gleich an die kanadische Zeit zu gewöhnen: 22 Uhr ist eine gute Zeit, um ins Bett zu gehen, wenn man am nächsten Tag richtig fit sein möchte.

Also ihr seht schon, mir geht es gut und es fehlt an nichts (außer einer Internetverbindung, aber die Zugangsdaten werde ich dann morgen bestimmt bekommen). Meine nächsten Abenteuer: Der erste Arbeitstag, das erste Wochenende mit hoffentlich den ersten guten Parties und Wohnungssuche in Toronto. So groß, wie hier alles ist, wird bestimmt auch irgendwo ein schönes, bezahlbares WG-Zimmer für mich frei sein.

Liebe Grüße in die Heimat
Euer Tobias

PS: Mittlerweile ist es schon Samstag und ich gehe gleich zum Sightseeing. Also wird es bald erste Bilder geben ;). Uebrigens ist Montag Feiertag, also bleibt noch ein Tag mehr um neue Leute kennenzulernen. Gleich werde ich mich mit Adele treffen.

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