Toronto entdecken

Hallo zusammen,

so schnell vergehen die ersten Tage in meiner neuen Heimat. Ja, richtig gelesen, ich würde Toronto schon als neue Heimat bezeichnen. Das Wochenende habe ich genutzt, um Downtown ein wenig zu erkunden und ich muss sagen, dass es mir hier richtig gut gefällt.

Aber wie im letzten Beitrag angekündigt zunächst Abenteuer #1: Der erste Arbeitstag. Zunächst stellte ich mir die Frage, wann denn nun eigentlich Zeit ist, zur Arbeit zu gehen. Mein Chef, namentlich John, schrieb nur etwas von Freitag morgen. Also machte ich mich kurz vor 9 Uhr auf den Weg. Dank Karte war auch alles schnell gefunden und der richtige Raum war vor meiner Nase. Nach kurzem Klopfen wurde ich auch nett empfangen, nicht jedoch vom richtigen Kollegen. Der, so sagte man mir, sei üblicherweise vor 10 Uhr nie im Büro. Also nutzte ich noch ein paar Minuten, um zu frühstücken.
Kurz danach hat mich Eugene nett empfangen und mir alles (mein PC [was für eine coole Maschine by the way], das andere Office usw.) gezeigt. Ebenso hat er mir gleich weitergeholfen bei Fragen zur Wohnungssuche, dem Bus/Metrosystem und was man so als Neuer alles wissen muss und will.

Schließlich habe ich pünktlich 12 Uhr meinen Chef kennengelernt. Dieser war bis dahin in einer Verteidigung einer Masterarbeit. Das Unisystem ist hier ein bisschen anders als in Deutschland, aber dazu vielleicht später mehr. Als Masterstudent ist man z.B. viel mehr in der Arbeit eines Fachgebietes eingespannt und die Verteidigung der Masterarbeit geht mehr als 2 Stunden. John ist ein wirklich lockerer, netter Typ. Ich denke, mit ihm werde ich sehr gut zurechtkommen. Netterweise hat er uns dann (aufgrund der erfolgreich abgeschlossenen Masterarbeit) zum Mittagessen eingeladen. Hier ist es wohl – leider – eher unüblich, zusammen zum Mittag zu gehen. Die meisten bringen sich etwas ins Fachgebiet mit und essen dort etwas, da es sonst wohl zu teuer wird. Da bin ich von Singapur und den Mensapreisen in Deutschland wohl verwöhnt. Eine Mensa, wie man sie aus Deutschland kennt, gibt es hier z.B. gar nicht. Das Essen wird auch nicht subventioniert. Eher ist es andersherum, denn alle Preise, die man sieht, sind Nettopreise. Geht man in ein Restaurant, kommen auf den Nettopreis dann noch 13% Steuern und üblicherweise 15% Trinkgeld. Zurück zum Mittagessen: Dort habe ich dann jedenfalls ein paar weitere Kollegen kennengelernt. Und wir haben etwas über meine Aufgaben geredet. Am 23.10. bekommt das Fachgebiet einen neuen Roboter und für diesen soll ich dann mit entwickeln. Was genau, wird sich noch zeigen. Er soll später einmal in der Lage sein, Personen in Räumen erkennen zu können und zu diesen zu navigieren. Schwierig wird dabei wohl sein, dass er diese Personen in allen möglichen Lagen erkennen soll, also auch sitzend oder liegend (Hintergrund: es ist ein Roboter für ältere Menschen und muss diese also auch in “Gefahrensituationen” erkennen können). Bis dato soll ich mich in die bestehenden Entwicklungen und Quellcodes einlesen, um diese wiederverwenden zu können. Und John sagte, ich darf / soll die Zeit auch dazu nutzen, um eine neue Wohnung zu finden.

Dies ist gar keine so einfache Aufgabe. Entweder, ich suche mir etwas in Uninähe. Hier ist jedoch echt tote Hose, das hätte ich bei 50.000 Studenten nie gedacht. Oder man sucht etwas in Downtown, dort ist es jedoch erstens sehr teuer und zweitens hätte ich dann einen weiten Arbeitsweg (~1 Stunde). Also werde ich wohl einen Mittelweg suchen. Morgen den Tag werde ich nutzen, um etwas im Internet zu stöbern. Denn es ist ein freier Tag, Thanksgiving steht an. Dort ist traditionell Familienessen angesagt mit einem Truthahn.

Gestern und heute habe ich dann dazu genutzt, die Stadt etwas zu erkunden. Begleitet hat mich jeweils Adele, das französische Mädel, welches ich beim Flug kennengelernt habe. Gestern sind wir dann durch Chinatown gelaufen, waren in einem riesigen Einkaufscenter, auf dem CN Tower, am Lake und im Financial District. Im Einkaufscenter haben wir uns eine kanadische SIM-Karte gekauft, es ist nun also nutzlos, mich auf der deutschen Nummer erreichen zu wollen. Am beeindruckensten war definitiv der CN Tower. Die Stunde warten hat sich gelohnt. Es war das höchste freistehende Gebäude der Welt für eine relativ lange Zeit. Da oben hat man wirklich einen tollen Ausblick über die Stadt gehabt – Bilder folgen, sobald ich einen Kartenleser gekauft habe, den habe ich wohl vergessen. Bei Nacht kann man wohl bis zu den 130km entfernten Niagarafällen schauen. Toronto hat in Nordamerika nach New York die meisten Hochhäuser. Es ist wirklich gigantisch. Besonderes Gimmick ist die Glasplattform. Dort steht man auf ein paar Zentimeter dicken Glas und kann hunderte Meter direkt nach unten schauen.
Danach sind wir noch in einen Pub gegangen. Diesen habe ich mir auch direkt gemerkt, da ich noch nie eine so große Auswahl an Bier erlebt habe. Kanadisches, deutsches, holländisches, belgisches, spanisches, einfach jedes erdenkbare Bier konnte man kaufen. Normalerweise hätte ich ja zu einem belgischen Starkbier gegriffen, aber ich wollte noch ein kanadisches Bier probieren. Und ich habe es nicht bereut, es war sehr schmackhaft. Da wir beide nicht das richtige Outfit anhatten, um in einen Club zu gehen, sind wir dann nach Haus gefahren.
Nun ein kurzer Einschub zum Verkehrssystem: Das ist ein wenig komisch. Man zahlt hier $3 Pauschalpreis – egal, ob man nur eine Station fährt oder die ganze Stadt durchquert. Zum Umsteigen benötigt man ein Transfer-Ticket, welches man nur bekommt, wenn man danach verlangt. Und sobald man längere Zeit nicht mit Metro/Bus gefahren ist, muss man wieder $3 entlöhnen. Also werde ich mir früher oder später ein Monatsticket zulegen, um dies zu umgehen.
Nungut, am heutigen Sonntag habe ich dann in der Früh etwas das Internet nach einer Wohnung durchstöbert. Aber da brauche ich glaube ich nochmal ein paar Tipps von meinen Kollegen. Und ich glaube einiges an Zeit, bis man etwas vernünftiges & bezahlbares in einer einigermaßen guten Lage gefunden hat. Aber ich bin guter Dinge, dass ich in den nächsten 1,5 Wochen etwas finde. Danach habe ich mich wieder mit Adele getroffen. Heute sind wir die Church Street entlang gegangen, welche nicht ohne Grund so heißt. Weiterhin wollten wir einen großen Markt besuchen, welcher jedoch heute geschlossen war. Danach sind wir noch durch einen Park gegangen, in dessen Mitte das Repräsentantenhaus steht. Allgemein ist es toll, einfach so durch die Straßen zu laufen und dem Treiben zu folgen.

Nun ist es Sonntag um 22:30 und ich werde mich langsam ins Bett verabschieden. Leider habe ich entweder noch nicht den richtigen TV-Sender entdeckt oder das kanadische Fernsehen ist schlecht. Diese Option entfällt also und leider habe ich in meiner Wohnung noch immer kein Internet. Dies wird wohl erst Dienstag oder Mittwoch freigeschaltet.
Meine Pläne für Morgen: Die Wohnungssuche etwas weiter voran treiben. Und ein paar Tipps im Internet suchen, was Sport & Feierei angeht. Ansonsten kann man morgen nicht viel machen, da wohl wirklich alles geschlossen ist. Sonst ist Kanada übrigens sehr liberal, was Ladenöffnungszeiten angeht. Sonntags sind alle Läden (wenn auch etwas verkürzt) geöffnet. Und es gibt wohl einige Läden, die 24/7 geöffnet sind.

Also, ich melde mich wieder, sobald es etwas mehr von meiner Arbeit zu erzählen gibt. Ich hoffe, euch geht es allen gut?!? Schickt mir einfach mal eine Nachricht bei FB oder eine Mail :).

Euer Tobi

One thought on “Toronto entdecken

  1. Tobi, in Schweden haben die Läden auch an den Sonntagen geöffnet. Und das ist mal richtig klasse.
    Aber du scheinst schon viel erlebt zu haben.
    Und das du was vergessen hast, ich glaube das nimmt dir keiner übel, weil wir dich ja nicht anders kennen 😀

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